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Welpenkauf


Ein Ratgeber von Peter Beythien

Guten Tag, lieber Hundefreund!

Du überlegst also, in Deine Familie einen Hund aufzunehmen. Toll, dass Du alles so verantwortungsbewusst überlegst und darum jetzt hier "gelandet" bist: Dein Herz hat sich bereits entschieden, nun muss es auch der Verstand! Vorweg: Die folgenden Ausführungen sollen Dir keinesfalls Entscheidungen abnehmen oder gar ersetzen. Sie sollen aber Denkanstösse geben, auf wesentliche Fragestellungen hinweisen, nicht aber den Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Es handelt sich im wesentlichen um eigene praktische Erfahrungen und die anderer Hundefreunde. Theorie kannst und solltest Du Dir aus Büchern anlesen.

Dass es sechs Retrieverrassen gibt, hast Du sicher (auch beim Durchstöbern dieser und anderer Websites) bereits erfahren. Allen diesen Rassen gemeinsam ist die unbedingte Eignung zum Familienhund, da sie ohne jede Aggression sind (sein sollten). Retriever fühlen sich ihren Familien so sehr verbunden, dass man sagen muss: Die Familie ist lebensnotwendig! Retriever benötigen die regelmäßige und intensive Zuwendung ihrer Familien! Retriever sind leichtführig, und sie lernen gerne und schnell.

Retriever sind ursprünglich als Arbeitshunde gezüchtet worden, sie brauchen daher eine sinnvolle und regelmäßige Beschäftigung, die sie geistig und körperlich fordert. Die Beschäftigung mit dem Hund kann sehr unterschiedlich sein: Eine gute Erziehung, die bereits im Welpenalter beginnt, ist die grundlegende Beschäftigung, die schließlich in einer Begleithundeprüfung ihre Bestätigung finden kann. Dummytraining, Rettungshundeausbildung, Agilitytraining oder eine jagdliche Führung des Hundes sind gute Möglichkeiten, den Hund sinnvoll zu bewegen, ihm intelligente Aufgaben zu stellen und die gegenseitige Zuneigung ständig neu zu festigen. Einzig eine Schutzhundeausbildung ist kaum möglich, da den Retrievern dafür die Voraussetzungen fehlen!
Daher sollte man auch sehr aufmerksam und kritisch seinen Verein aussuchen, in dem man später vielleicht mit seinem Hund an der Ausbildung teilnimmt. Die Retrieverrassen unterscheiden sich in den verschiedensten Merkmalen und auch in ihren Charakteren. Du solltest Dir in Ruhe die einzelnen Rassen ansehen, sowohl auf Ausstellungen als auch im Alltag. Zu den Höhepunkten
dieses Alltags gehören auf jeden Fall Prüfungen (z.B. Dummy-, Field Trail-, Agility- und jagdliche Prüfungen), aber auch für entsprechend geführte Hunde die Jagd. Veranstaltungstermine und -orte findet man oft in der Presse, an vielen Stellen im Internet und natürlich auch auf diesen Seiten!
 

Grundsätzlich muss man sich über folgendes klar werden und dass sich einiges im Familienleben ändern wird:
Die Entscheidung, einen Hund in die Familie aufzunehmen, ist eine sehr weitreichende Entscheidung für die nächsten 12 bis 14 Jahre. Ein Hund ist ein vollwertiges Familienmitglied! Er fordert ebenso viel Zeitaufwand und Zuwendung wie ein Kind.


Der Hund muss wenigstens drei- bis viermal täglich "Gassi" geführt werden, wobei wenigstens ein längerer Gang fällig ist, auf dem der Hund körperlich und geistig gefordert wird. Urlaubsziele werden möglicherweise andere sein müssen, da Hunde nicht überall willkommen sind, mancher Orten sind Preisaufschläge zu zahlen. Jedes Land hat andere, teils sehr harte Veterinärbestimmungen. In manchen Urlaubsregionen bestehen gesundheitliche Gefährdungen für Hunde. "Single-Familie" mit Hund ist kein Problem, so lange man genau weiß, wer im Notfall (es gibt auch z.B. berufliche oder gesundheitliche Gründe) einspringt und jederzeit für den Hund da ist.


Auch finanziell will alles bedacht sein, da Du zunächst den Welpenpreis und die Erstausstattung bezahlen musst, dann solltest Du etwa 3.500 Euro jährlich für Deinen Hund kalkulieren. Dazu gehört auch die Frage, ob das bisherige Auto zusätzlich einen Hund befördern kann (z.B. ein PANDA, der regelmäßig schon mit vier Personen besetzt ist, wird kaum für längere Strecken auch noch einen Hund befördern können). Mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind viele Ausbildungsplätze und Übungsgelände oft nur schwer oder gar nicht erreichbar!

 

Aber: Ein Einfamilienhaus mit einem riesigen Garten ist nicht zwingend nötig, viel wichtiger sind dem Retriever seine Familie und dass sich diese um ihn kümmert, mit ihm ausgeht und mit ihm etwas anstellt, arbeitet. Was er braucht, ist ein ungestörtes, fest ihm "gehörendes" Plätzchen in der Wohnung, im Haus, wohin er sich zurückziehen kann und dann auch in Ruhe gelassen wird. Bezeichne diesen Platz als "Körbchen" oder wie auch immer.

Bedenke rechtzeitig vorher:

Alle bisherigen Familienmitglieder müssen einen Hund wollen und der Anschaffung positiv gegenüberstehen! Vor allem die Hausfrau (oder der Hausmann), auf der die Hauptarbeit lastet, muss die Anschaffung wollen!
Auf gar keinen Fall sollte man einen Hund als Geschenk zu Weihnachten oder aus einem anderen Anlass kaufen.
Mietrechtlich ist VORHER zu klären, ob der Vermieter mit der beabsichtigten Hundehaltung einverstanden ist.
Sind Familienmitglieder vielleicht allergisch gegen Hunde? Ein entsprechender Allergietest ist vielleicht nicht verkehrt.
Wenn Du alle diese Fragen im Familien-, vielleicht auch im Verwandten- und Freundeskreise beantwortet und alle Bedenken ausgeräumt hast (Hochachtung, wenn Du das hundertprozentig kannst!), stellt sich Dir die Frage:
"Wo bekomme ich denn nun meinen Traumhund?"
 

Angebote findet man überall: Es gibt Zoohandlungen, mancherorts Tiermärkte. Versandhändler, Züchter und Hobbyzüchter inserieren in Tageszeitungen und Zeitschriften. Zuchtverbände vermitteln Welpenkäufer und Züchter zueinander. Gute Hunde bekommt man mit großer Sicherheit nicht in Zoo- oder Versandhandel, über Anzeigen oder auf Tiermärkten.
Das Risiko, über Anzeigen an einen unseriösen Züchter oder an einen der vielen Tierhändler zu kommen, ist riesengroß! Zumal diese oftmals in Mafia ähnlichen Organisationen Tiere produzieren und sehr geschickt vermarkten. Denke daran: Dein Mitleid darf kein Kaufgrund sein, da durch Deinen Kauf das unsägliche Leiden der Alttiere nur vermehrt wird. Das vielleicht im Kaufpreis eingesparte Geld bringst Du dann vielfach zum Tierarzt, um den Welpen körperlich gesunden zu lassen. Die gepeinigte Hundeseele kann aber niemand heilen. Fehlprägungen ziehen spätere Risiken nach sich, die Du nicht kalkulieren kannst –


Du hast wesensmäßig oft eine "Zeitbombe" im Haus! Der beste Weg, einen seriösen Züchter zu finden, ist folgender: Du wendest Dich an die Welpenvermittlung eines dem VDH angeschlossenen Zuchtvereins. Für Retriever ist dieses in erster Linie der Deutsche Retriever Club (DRC), der sehr strenge Statuten hat und der dann auch später sehr viele Möglichkeiten bietet, mit seinem Hund zu arbeiten. Du bekommst hier eine Adressenliste von Züchtern des DRC, die gerade einen Wurf haben oder demnächst einen bekommen. Du solltest auf dieser Grundlage zu mehreren Züchtern fahren (Achtung, Besuchstermine vorher absprechen!), Dir viel Zeit mitnehmen, aufmerksam schauen, viele Fragen
stellen (dafür am besten eine Frageliste erarbeiten und mitnehmen) und vergleichen.
Keinesfalls Geld mitnehmen, damit nicht doch plötzlich das Herz über den Verstand siegen kann!
Achte darauf, wie die Welpen geprägt sind, wie sie im Welpenrudel agieren und auf Umweltreize reagieren. Welpen sollten sich in der Wohnung des Züchters (relativ) frei bewegen können. Kinder im Haushalt des Züchters sind meist einer guten Prägung dienlich! Mit dem Züchter, dessen Hunde Dir am besten gefallen, mit dem Du menschlich "kannst" und der Dir die sachkundigsten Antworten gab, stimmst Du einen nachfolgenden Besuchstermin ab, um Dir ein neues Bild über Hunde und Züchter machen zu können. Dein Blick ist jetzt geschärft durch die vielen Gespräche
und Besuche der letzten Zeit, und Du kannst mit den neu erworbenen Erfahrungen und Kenntnissen abermals schauen und vergleichen.
Ein guter Züchter fragt schließlich auch Dich, den Welpenkäufer, aus. Denn ein guter Züchter möchte seine Welpen so gut als möglich platzieren.
Ein abschließendes Urteil musst Du Dir dann aber schon selbst bilden! Vielleicht noch einige Tips:

Vorsichtig solltest Du spätestens dann werden, wenn
nur ein Welpe gezeigt wird, Du von der Wurfkiste ferngehalten wirst (besonders, wenn die Welpen älter als 5 bis 6 Wochen sind), die Mutterhündin kein Gesäuge hat, Hygiene, Sauberkeit und Zustand der Hunde einen merkwürdigen Eindruck hinterlassen, sofort ein Welpe "geliefert" werden kann, der Umgang des Züchters mit seinen Hunden nicht Deinen eigenen Vorstellungen entspricht, mehrere Rassen umherlaufen oder angeboten werden.

Achte auch darauf, ob ältere Hunde, die nicht mehr zuchttauglich sind, beim Züchter leben. Achte darauf, wie sie untergebracht sind, wie sie gehalten und geführt werden. Da braucht es manchmal gute Augen und Ohren!
Bedenke immer: Du kaufst weder ein neues Möbelstück oder ein neues Auto, sondern ein Lebewesen, mit dem Du die nächsten 12 oder 14 Jahre oder noch länger zusammenleben willst und wirst. Und wenn Du als Hundehalter Deinen Hund artgerecht hältst und Deinem Hund eine gute Erziehung angedeihen lassen kannst, dann baust Du gemeinsam mit Deinem Hund eine wunderbare Mensch-Hunde-Beziehung auf.

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